|
|
| Beitrag Nummer: 1
|
SonjaGlauch 

Gruppe: Mediaevum
Beiträge: 220
Seit: 01/2002
|
| |
Geschrieben: 12.03.2009, 12:44 |
|
 |
Ich fürchte fast, Sie werden in Ihren Recherchen nun weit zurückgeworfen, aber man hat Sie offenbar mit irgendwelchen Auskünften abgespeist, die schlicht nicht zutreffen können.
Eine Urkunde von 1145 müßte in lateinischer Sprache gehalten sein. Eine Verkaufsurkunde kann existieren, die Bezeichnung "Gründungsurkunde" träfe aber nur umgangssprachlich zu. Gemeint wäre: durch den dokumentierten Verkauf ist die Existenz des Dorfs erstmals bezeugt. Das Dorf dürfte trotzdem älter sein (denn man verkauft nichts, was nicht schon existiert). Sollte man dann zufällig irgendwann eine ältere Urkunde finden, hätte man ein neues "Gründungsdatum" des Ortes. "Erstbezeugung" wäre viel zutreffender und genauer.
Wenn man Ihnen tatsächlich 1983 dieses Photo als eine Urkunde von 1145 angedreht hat, dann hat man sich höchstwahrscheinlich vertan, allerdings derart unfachmännisch vertan, daß ich mich nur wundern kann. Es sieht jeder Kundige auf den ersten Blick, daß die Urkunde aus dem 15. Jahrhundert stammt.
Nun zu dieser Urkunde von 1426: auch das ist keine Urkunde, die sich auf den Ort Lüptitz bezieht. Es ist eine Privaturkunde, in der jemand die Einstellung von Feindseligkeiten verspricht (Urfehde) -- Historiker mögen mich berichtigen, ich bin nicht sehr firm in diesen Dingen --, und in der rein zufällig und beiläufig der Ortsname genannt wird, weil einer der Bürgen von dort stammt! Eine Namensverleihungsurkunde ist das nicht -- abgesehen davon, daß es so etwas im Mittelalter ohnehin nicht gibt. Namen und Namensschreibungen ändern sich im Mittelalter oft und dann sind -- wiederum eher zufällig -- in ihrem steten Formenwandel irgendwo dokumentiert.
Natürlich gibt es unzählige Hilfsmittel und Nachschlagewerke für solche ortsgeschichtlichen Forschungen, allerdings ist Mediaevum weniger historisch als literaturwissenschaftlich ausgerichtet. Die meisten unserer Leser wissen, so wie ich, darüber leider eher nur am Rande Bescheid.
Beste Grüße
|
 |
|
|
| Beitrag Nummer: 2
|
Petersitzke 

Gruppe: Mitglieder
Beiträge: 1
Seit: 03/2009
|
| |
Geschrieben: 12.03.2009, 11:41 |
|
 |
Bei der Vorbereitung der 800 Jahrfeier von Lüptitz, im August 1983 besuchten Vertreter von Lüptitz das Staatsarchiv in Dresden und bekamen nach längerer Suche von der dortigen Bildstelle diese Urkunde neben einem Wappen photokopiert.
Dabei wurde der Hinweis gegeben, das es sich um die Gründungsurkunde von Lüptitz handele.
Dementsprechend wurde in die erstellte Festschrift von 1985, diese Urkunde übernommen und als Kaufurkunde des Oberlausitzer Adligen Conradus de Luptiz für den Herrensitz sowie die Ländereien vom späteren Dorf Lüptitz bezeichnet. Der Verkauf erfolgte 1185 vom Bischof Albrecht von Meißen an Conradus de Luptiz. Eine Ermittlung des Urkundentextes wurde abgelehnt, da es sich um Vorgänge aus der Feudalzeit handelt.
Bei meinen Recherchen habe ich im Kirchenarchiv vom Meißen den Hinweis gefunden, das tatsächlich dieser Verkauf im Jahre 1185 stattgefunden hat und bereits seit 1180 darüber verhandelt worden ist. Hier war jedoch keine Urkunde mehr vorhanden.
Um sicher zu gehen, das dies tatsächlich die vermutete Kaufurkunde ist, habe ich diese Anstrengungen übernommen um den Text der Urkunde lesen zu können.
Entsprechend Ihre Hinweises auf die Jahreszahl 1426 habe ich mir die damalige Fotokopie des Staatsarchives Dresden geben lassen und habe festgestellt, das auf der Rückseite sehr klein mit Bleistift vom Verfielfältiger vermerkt ist " O. U. 6032 - 1426 - Aug - 21 ". Leider war auf dem Exemplar, das man mir übergeben hatte, dieser Vermerk nicht enthalten.
Der Datum würde auch übereinstimmen, da im Jahr 1426, der Ort den Namen "Lüptitz inferior, superior" erhalten hat. Vielleicht ist es dazu die Urkunde der Namensverleihung?
Für meine weitere Arbeit beim Abschluss der Arbeiten an der Chronik,wäre dieser Erkenntnisstand sehr wichtig.
-------------- Petersitzke
|
 |
|
|
| Beitrag Nummer: 3
|
SonjaGlauch 

Gruppe: Mediaevum
Beiträge: 220
Seit: 01/2002
|
| |
Geschrieben: 12.03.2009, 01:55 |
|
 |
Das scheint die Urfehde eines gewissen Claus Tapphard zu sein, und der gesuchte Ortsname kommt nur als Herkunftsangabe eines der Bürgen vor: Jürgen von Lupticz (rot markierte Stelle). Ist das also überhaupt die gesuchte Urkunde?
|
 |
|
|
| Beitrag Nummer: 4
|
bea1982 

Gruppe: Mitglieder
Beiträge: 22
Seit: 10/2007
|
| |
Geschrieben: 11.03.2009, 21:51 |
|
 |
ich fürchte, eine Transkription dürfte bei dieser Auflösung sehr schwierig werden; besonders die Namen am Anfang sind kaum lesbar... Zur Datierung: 12. Jh. ist nur schon von der Schrift her ausgeschlossen. Ich lese die Datierung als Mittwoch nach Maria Himmelfahrt im Jahre 1466 - es könnte aber durchaus auch 1426 sein.
LG, Bea
|
 |
|
|
| Beitrag Nummer: 5
|
SonjaGlauch 

Gruppe: Mediaevum
Beiträge: 220
Seit: 01/2002
|
| |
Geschrieben: 11.03.2009, 17:42 |
|
 |
Liebe Kollegen,
wir haben eine Bitte um Mithilfe erhalten, aus der ich zitiere: "... ich arbeite an der Chronik des Dorfes Lüptitz (PLZ 04808)und habe aus dem Sächsischen Staatarchiv eine Kaufurkunde DIN A4 über Lüptitz von 1185, die vom Bischof Albrecht von Meißen ausgestellt wurde. Leider kann ich den Text nicht lesen."
Hier eine Kopie der Urkunde:

Mit etwas höherer Auflösung hier: http://www.mediaevum.de/forum/uploads/urkunde-Kopie_mittel.jpg
Wer kann helfen? Herr Petersitzke, vielleicht könnten Sie hier (mithilfe der Antwort-Funktion) noch Näheres über die Urkunde mitteilen?
Zunächst ist jedenfalls klar, daß diese Urkunde aus dem 15. Jahrhundert stammt und nicht von 1145 ... datiert scheint sie auf 1426, wenn ich richtig lese.
Beste Grüße, Sonja Glauch
|
 |
|
|
|
|
|
|
|