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Thema: Übersetzungsprobleme, Mittelniederdeutscher Text< Älteres Thema | Neueres Thema >
 Beitrag Nummer: 1
Smidinne Search for posts by this member.

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Seit: 11/2007
    Geschrieben: 18.08.2008, 21:54  Skip to the next post in this topic. Ignore posts   QUOTE

Hallo Münsteraner,

ich habe eine Anmerkung zum zweiten Zitat aus dem ersten Posting. Meiner Ansicht nach handelt es sich hier nicht um eine generelle Aussage, wie mit einem möglichen Straftäter verfahren werden soll, der einen Meineid begangen hat, sondern um einen konkreten Fall:

Do teylten dy heren aus gehegiter bang, her (=er) wer des eydis nicht volfaren, also recht were, do wart her busfellig vnde hat darvmb geledin, was recht ist.

Da urteilten die Herren von der Gerichtsbank, er hätte den Eid nicht vollzogen, wie es rechtens wäre. Da wurde er bußfällig (eines Strafgeldes pflichtig) und hat darum hinnehmen müssen, was rechtens (die rechtmäßige Strafe dafür) ist.

Zum Stichwort "Bank" würde ich mal das Deutsche Rechtswörterbuch (online über Mediaevum erreichbar) konsultieren. Dort gibt es Belege für "Gerichtsbank", die mit dem gleichen Attribut versehen sind.

Im Übrigen würde ich den Text als mitteldeutsch ansehen, möglicherweise als ostmitteldeutsch, aber da will ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, da ich den Gesamttext nicht kenne. Gibt es irgendwelche Anhaltspunkte? Eigentlich sind Urkundentexte relativ gut zu orten. Oder hast Du nur einen Ausschnitt? Meist gibt es am Schlußteil der Urkunde Formulierungen, die den Ort der Abfassung wie auch das Datum enthalten...

Bezüglich der Zitate von heute:

"Nu meynet semerlich, her sulle habin eynen meyneyd gesworn vmb des willen, daz dry clagin vnde schulde mer alleyns leuthen vnde vmb drawort syn, vnde man sulle om dy fingere abehawn, daz her dach (?) ym rechte nicht hoffit, daz man eyn meyneydigen beschelden ader seyne finger abehawen moge mit rechte."
Nun meint Ihr gemeinsam, er soll einen Meineid geschworen haben, deswegen, weil drei Klagen und Kosten mehr uns allen (alle yns leuthen) entstanden sind und wegen seiner Drohungen, und dass man ihm die Finger abhauen soll, weil er das (?) ihm rechte nicht erwartet, nämlich, dass man einen Meineidigen anfechten oder rechtmäßig seine Finger abhauen darf.

"Sintemal her vor gerichte nicht meynedige obirwunden ist, vnde nu her vmb dy ersten czwe clagen busfellig geteilt vnde worden ist, daz her mit dem eyde nicht volfaren were"
Weil er vor Gericht nicht als Meineidiger überführt worden ist und deshalb nun die ersten zwei Klagen als bußpflichtig (gebührenpflichtig) festgesetzt sind und geschehen ist, daz er mit dem Eid nicht vor Gericht vollzogen hat. (Steht dieser Satz im Text eventuell vor dem vorigen???)

Ich muß sagen, dass es wie ein Plädoyer klingt...

Im Übrigen ist es schwierig, ohne den gesamten Kontext eine richtige Übersetzung zu geben, also bitte verstehe diese Anmerkungen als Arbeitsvorschlag.
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    Geschrieben: 18.08.2008, 16:04 Skip to the previous post in this topic. Skip to the next post in this topic. Ignore posts   QUOTE

Der Übersetzungsvorschlag hat mir sehr weiter geholfen! Die letzten Problemstellen, die ich noch nicht ganz enträtseln konnte, sind diese:

"Nu meynet semerlich her sulle habin eynen meyneyd gesworn vmb des willen daz dry clagin vnde schulde mer alleyns leuthen vnde vmb drawort syn vnde man sulle om dy fingere abehawn daz her dach ym rechte nicht hoffit daz man eyn meyneydigen beschelden ader seyne finger abehawen moge mit rechte."

"Sintemal her vor gerichte nicht meynedige obirwunden ist vnde nu her vmb dy ersten czwe clagen busfellig geteilt vnde worden ist daz her mit dem eyde nicht volfaren were"

Es wäre toll, wenn ich nochmals Hilfe bekäme!
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    Geschrieben: 16.08.2008, 12:27 Skip to the previous post in this topic. Skip to the next post in this topic. Ignore posts   QUOTE

Hallo Bea,

vielen Dank für Deinen Übersetzungsvorschlag, der hilft mir wirklich sehr weiter!
Der erste Abschnitt steht tatsächlich am Anfang der Quelle, ich denke auch, dass es sich um eine Überschrift/Themenbeschreibung handelt.
In dem Text geht es auch um Meineid, wie Du schon vermutet hast. Ich habe auch den Großteil bereits übersetzt, aber einige Stellen machen für mich wenig Sinn, so dass ich echt glücklich über Deine Hilfe bin.
Ich habe noch einige Passagen, die mir Probleme bereiten. Ich werde sie morgen auch ins Forum stellen. Falls Du Zeit und Lust hast, kannst Du sie Dir ja mal ansehen, das wäre toll.
Wegen des Mittelniederdeutschen war ich auch verunsichert, aber mein Professor hat mir diese Angabe gemacht, wobei er sich allerdings in der Eile auch vertan haben kann. Insbesondere habe ich in dem von ihm empfohlenen Wörterbuch für Mittelniederdeutsch auch keine der gesuchten Vokabeln gefunden.

Vielen Dank nochmals!
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 Beitrag Nummer: 4
bea1982 Search for posts by this member.

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Seit: 10/2007
    Geschrieben: 14.08.2008, 21:26 Skip to the previous post in this topic. Skip to the next post in this topic. Ignore posts   QUOTE

Ohne Garantie:

"Von eyde czu thun vnde der ander meynet her wider nicht volfarin vnde von drauunge der worten ab man dem dy finger abehawen sal."
Ist das ev. ein Titel? Ich erkenne zumindest keinen vollständigen Satz darin... Ich bin mir auch bei der Übersetzung gar nicht sicher - kann es aber sein, dass es um Meineid geht? Ich kann folgenden Vorschlag bieten:
Davon, Eide zu tun (= zu schwören), wenn der andere meint, diese nicht zu erfüllen, und von Drohungen mit Worten, ob/dass man diesem die Finger abschlagen soll.

"Do teylten dy heren aus gehegiter bang her wer des eydis nicht volfaren also recht were do wart her busfellig vnde hat darvmb geledin was recht ist."
Da teilten die Herren von der geschützten Bank (= Richter???) mit, wer den Eid nicht erfüllen könne/würde, wie es recht sei, der müsse büssen (oder: werde straffällig??) und sei darum verhasst (??) wie es recht sei.
Gegen Schluss bin ich mir da auch gar nicht sicher. Ich habe 'geledin' mal als Verb übersetzt - ev. heisst es aber auch 'Geld'?? Passen würde das schon auch, weil man für Meineid vielleicht Strafe zahlen muss...


Irgendwie fast mehr Fragen als Antworten... ;-)
Vielleicht kannst du das trotzdem brauchen...

LG, Bea

Ach ja: Diese beiden Sätze sehen aber sehr viel stärker nach MittelHOCH- als nach MittelNIEDERdeutsch aus??
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Seit: 08/2008
PostIcon Geschrieben: 14.08.2008, 16:48 Skip to the previous post in this topic.  Ignore posts   QUOTE

Hallo!

Ich schreibe gerade an meiner rechtshistorischen Seminararbeit und soll dazu eine Exegese machen, an deren Anfang natürlich die Übersetzung der mir vorliegenden Quelle steht. An einigen Stellen habe ich dabei allerdings Probleme. Da ich nicht Germanistik studiere, hoffe ich einfach mal, dass mir hier jemand helfen kann?! Die problematischen Stellen sind u.a.:

"Von eyde czu thun vnde der ander meynet her wider nicht volfarin vnde von drauunge der worten ab man dem dy finger abehawen sal."

"Do teylten dy heren aus gehegiter bang her wer des eydis nicht volfaren also recht were do wart her busfellig vnde hat darvmb geledin was recht ist."

Es wäre super, wenn ihr mir weiterhelfen könntet!
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4 Antworten seit 14.08.2008, 16:48 < Älteres Thema | Neueres Thema >

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