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altgermanistischer Forschungsprojekte


Name: Dr. Christian Schneider
Institut: Univ. Heidelberg
eMail: christian.schneider@gs.uni-heidelberg.de
Thema: Logiken des Erzählens: Handlungsmotivation und narrative Logik in der deutschsprachigen Epik des hohen Mittelalters
Status: Habil
Abschluß: 2012/13
URL http://www.gs.uni-heidelberg.de/personen/schneider/
Info:

Erzählungen bedürfen, um als zusammenhängende Einheit wahrgenommen und begriffen werden zu können, der narrativen Kohärenz und Konsistenz, das heißt einer in irgendeiner Weise ‚sinnvollen' Verknüpfung ihrer Einzelbestandteile. Erzählungen müssen in diesem Sinne ‚logisch' geordnet sein. Unsere - modernen - Erwartungen an die logische Kohärenz und erzählerische Konsistenz eines Textes gehen dabei in aller Regel von einer kausal und/oder psychologisch stimmigen Motivation von Handlung aus. Diese Erwartungen an eine kausal-psychologische Geschehensmotivation werden in mittelalterlichen Erzählungen jedoch immer wieder frustriert. Mittelalterliche Texte weisen ‚Löcher', ‚Leerstellen' und Widersprüche, Unter- und Übermotivierungen auf, die modernen kausalen oder psychologischen Plausibilitätserwartungen widersprechen. Man hat deshalb für mittelalterliche Literatur geltend gemacht, daß ihr andersgeartete und je eigene Logiken des Erzählens zugrunde lägen, und darin ein weiteres Phänomen jener historisch-kulturellen Distanz zwischen Mittelalter und Moderne erblickt, die mit dem Begriff der Alterität seit den 1990er Jahren auch in der germanistischen Mediävistik zu dem Paradigma schlechthin für die Beschreibung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Textproduktion geworden ist. Ob und inwieweit das zutrifft und welche Arten narrativer Logik für mittelalterliche Erzähltexte anzusetzen sind, ist bislang allerdings noch nie systematisch untersucht worden. Mein Forschungsvorhaben will daher für verschiedene Gattungen der deutschsprachigen Epik in dem - für die volkssprachliche Literaturproduktion zentralen - Zeitraum von 1160/70 bis 1220/30 die je spezifischen Logiken des Erzählens beschreiben, die literarischen Texten des hohen Mittelalters zugrunde liegen. Berücksichtigt wird sowohl die weltliche (höfischer Roman, Heldenepik, Geschichtsepik, Kleinepik) als auch die geistliche Epik (Legendenerzählungen, Mirakel). Die Fragestellung des Projekts ist also zunächst eine der Narratologie, verbindet sich aber mit neueren Ansätzen der literarischen Anthropologie, der narrativen Psychologie und der Kognitionsforschung. Sie setzt sich zum Ziel, durch die Analyse der logischen Verknüpfung von Erzählelementen in literarischen Texten auch Erkenntnisse über mittelalterliche Modi der Sinnerzeugung und Weltwahrnehmung im Medium der Literatur zu gewinnen.

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