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Name: Dr. Sandra Linden
Institut: Univ. Tübingen
eMail: sandra.linden@uni-tuebingen.de
Thema: Anthropologisch-psychologische Reflexionen in der mittelalterlichen Literatur
Status: Habil
Abschluß: k.A.
Info:

Die Literatur ist in den vergangenen Jahren zu einem der vielschichtigsten Quellenbereiche avanciert, auf den die historische Anthropologie in ihrem Bemühen um eine Archäologie vergangener Verhaltensmuster und Vorstellungsinhalte zugreift. Es ist jedoch nicht leicht zu rekonstruieren, welches allgemeine Menschenbild und welches Verständnis von den psychologischen Abläufen im Menschen hinter mittelalterlichen Darstellungen liegen und wie diese poetisch vermittelt werden. Das Projekt zielt darauf, die diskursive Verschränkung mittelalterlicher Aussagen über den Menschen und sein Inneres vom Zentrum eines literarischen Corpus her aufzuschlüsseln, die Rezeption vorhandener Wissenspositionen sowie ihre produktive Fortschreibung im volkssprachigen literarischen Medium zu identifizieren.

Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei die Gattung des höfischen Romans, in der die Kommentarstruktur der Exkurse als bevorzugter Ort für anthropologische Überlegungen erscheint: Chrétiens de Troyes ›Yvain‹, Hartmanns von Aue ›Iwein‹ sowie der ›Tristan‹ Gottfrieds von Straßburg liefern Zeugnisse um die Wende vom 12. zum 13. Jh., der ›Reinfried von Braunschweig‹ und Johanns von Würzburg ›Wilhelm von Österreich geben Auskunft über die folgende Jahrhundertwende. Das Corpus wird durch weitere literarische Gattungen wie vor allem den Sangspruch oder allgemein reflektierende Lieder des Minnesangs ergänzt, um zu analysieren, wie sich die reflektierenden Passagen in einen allgemeinen, gattungsübergreifenden Diskurs über den Mensch einschreiben. Da für jeden der fünf Romanautoren eine lateinische Bildung vorauszusetzen ist, nimmt auch die Rezeption gelehrten Wissens eine wichtige Rolle ein. Die von Autoren wie Wilhelm von St. Thierry oder Hugo von St. Viktor im 12. Jh. begonnene und durch die Rezeption von Aristoteles’ ›De anima‹ und ›Physik‹ im 13. Jh. intensivierte Beschäftigung der Wissenschaft mit der Frage Quid est homo? wird für das Verständnis der volkssprachigen literarischen Texte fruchtbar gemacht. Der inhaltliche Zugriff auf die anthropologischen Reflexionen des höfischen Romans wird ergänzt durch einen poetologischen: Es soll eine Poetik der Reflexion formuliert werden, mit der die besondere Ästhetik, die durch das Zusammenspiel von lehrhaft-wissenschaftlichen und poetisch-unterhaltenden Aspekten in den Reflexionen entsteht, erschlossen werden kann.

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