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altgermanistischer Forschungsprojekte


Name: Christian Schneider
Institut: Univ. Heidelberg
eMail: christian.schneider@ngi.de
Thema: 'Churthesey' – Literarische Hofkultur und höfisches Lebensideal am Habsburgerhof zu Wien und am erzbischöflichen Hof zu Salzburg 1365–1396
Status: Diss
Abschluß: abgeschlossen
Info:

Die Dissertation setzt sich zum Ziel, Art und Wandel der Vorstellungen von höfischer Idealität und einer idealen Lebensführung in der courtoisen Öffentlichkeit des Spätmittelalters zu untersuchen. Was das hohe Mittelalter betrifft, ist die Genese der Formen und Vorstellungen höfischer Etikette zuletzt wieder verstärkt in das Blickfeld einer interdisziplinär arbeitenden Mittelalterforschung gerückt; Prominenz haben insbesondere die kulturhistorischen Arbeiten C. Stephen Jaegers und seine These von der Adaption eines seit dem 11. Jahrhundert an den geistlichen Höfen propagierten und gelebten Wertekatalogs durch den Feudaladel an den weltlichen Höfen des 12. Jahrhunderts erlangt. Dagegen stellen vergleichbare Untersuchungen dieses Aspekts der ritterlich-höfischen Kultur für das Spätmittelalter ein Desiderat dar. Auch und gerade aus einer landes- oder regionalgeschichtlich orientierten Perspektive, die ganz gezielt einzelne Fürstenhöfe in den Blick nimmt, sind Hofkultur, Hofgesellschaft und höfische Lebensformen im 14. und 15. Jahrhundert nur unzureichend erforscht.

Hier will die Dissertation das bisherige Bild von den an den spätmittelalterlichen Höfen herrschenden ethischen und gesellschaftlichen Idealen im Reflex der Literatur für einen kleinen, regional begrenzten Ausschnitt schärfer konturieren. Dies soll vor dem Hintergrund und in kritischer Anknüpfung an neuere Forschungsansätze geschehen, die einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Courtoisie im Mittelalter und der kirchlich-lateinischen Kultur gebildeter Geistlicher bei Hof postulieren. An einer Reihe von Texten, die die literarische Szene am Hof Herzog Albrechts III. (1365–1395) in Wien und am Hof Erzbischof Pilgrims II. von Puchheim (1365–1396) in Salzburg in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bestimmen, sollen die unterschiedlichen Komplexe von Verhaltensidealen, Habitus, Werten und Normen, individuellen und kollektiven Leitbildern studiert werden, die literarische Texte für die Führungsgruppen der ständischen Gesellschaft des 14. Jahrhunderts entwarfen. Interpretiert werden unter anderem Texte von Peter Suchenwirt, Heinrich dem Teichner, dem Mönch von Salzburg sowie einige Werke aus dem Bereich der ‚Wiener Schule’ und der spätmittelalterlichen deutschen Chronistik. Indem die literarische Produktion und Traditionsvermittlung – und die ihnen jeweils zugrundeliegenden generellen Haltungen und Wertorientierungen – an einerseits einem weltlichen, andererseits einem geistlichen Fürstenhof aus dem Raum des heutigen Österreich einer kontrastiven Untersuchung unterzogen werden, soll das Nachwirken konkurrierender traditioneller Entwürfe einer höfischen Lebensform, nämlich des klerikalen Konzepts der Curialitas und des Weltentwurfs des hochmittelalterlichen höfischen Romans, im 14. Jahrhundert analysiert werden.

Dabei möchte die Dissertation am Beispiel der Hofliteratur von Wien und Salzburg demonstrieren, wie sich unter neuen bildungsgeschichtlichen Konstellationen und veränderten Interessen der an literarischer Kommunikation partizipierenden Gruppen die Zwecke höfischer Verhaltenskonzepte wandeln und die Regeln und Formen höfischer Interaktion, wie sie im literarischen Leben bei Hof inszeniert werden, zunehmend als Mechanismen sozialer Integrationsprozesse fungieren. In methodischer Hinsicht gilt es daher, neuere Ansätze aus dem Bereich der Soziologie, der Mentalitätsgeschichte sowie einer germanistisch orientierten Kulturanthropologie für einen im weiteren Sinne funktionsgeschichtlichen Zugang zur mittelalterlichen Literatur fruchtbar zu machen.

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