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altgermanistischer Forschungsprojekte


Name: Dr. Carola Redzich
Institut: Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
eMail: redzich@o2online.de
Thema: Thomas Murner, Vergilij Maronis dreyzehen Aeneadische bücher von Troianischer zerstörung vnd auffgange des Römischen Reichs. Edition - Kommentar - Glossar.
Status: Projekt
Abschluß: 2014
Info:

Thomas Murners Versübertragung von Vergils Aeneis, die er 1515 Kaiser Maximilian widmete, wurde bislang von der Forschung kaum zur Kenntnis genommen. Auch eine moderne Edition des Textes fehlt. Diesem Desiderat will das Projekt begegnen.
In seiner Vorrede bemerkt Murner, er habe den Vergil vß latynschem verß in tütsche reimen vnd gezwungne reden mechtig vnd gewaltigklich vertütschet vnd dalmetschet. Seine Übertragung gehört in der Tat zu den größten Übersetzungsprojekten ihrer Zeit. Daß sie in der Forschung bislang so gut wie keine Beachtung gefunden hat, mag am zwiespältigen Ruf des Franziskaners in Humanistenkreisen liegen, den Murner auch in der modernen Forschung noch genießt. Auch mit seiner Aeneis-Übertragung hat er sich gewissermaßen zwischen die Stühle gesetzt: Diejenigen, die seine Narrensatiren schätzen, erachten die Übersetzung als nicht gelungen, weil sie nicht volkstümlich genug geraten sei, diejenigen, die humanistische Übersetzungen schätzen, finden ihn zu volkstümlich. Murners Umgang mit dem Ausgangstext zielt darauf, zwischen der fremden Erzählwelt und dem spezifisch literarischen — nicht primär dem religiösen — Erfahrungshorizont seines Publikums zu vermitteln. Das schließt auch die Erfahrung mit epischen Erzähltraditionen ein, die Kaiser Maximilian bekanntlich so liebte und die die Wahl des Reimpaarverses als traditionelles episches Äquivalent geradezu fordert. Mit volkstümlichen Knittelversen hat das wenig zu tun. Murner betrachtet sie entsprechend als conditio sine qua non, die keiner poetologischen Reflexion bedarf.
Für Murner ist Vergil vor allem ein Schulautor, dessen Bedeutung und Wertschätzung im Kontext der gesellschaftlichen und politischen Öffentlichkeit aber in dem Maße zunimmt, in dem die Bildungsinstitutionen als integrale Bestandteile einer Öffentlichkeit Geltung beanspruchen, die Deutsch spricht. Murner stellt den Dichter der Aeneis gewissermaßen ins Rampenlicht einer Deutsch sprechenden gesellschaftlichen und politischen Öffentlichkeit, an deren Spitze der Kaiser steht. Vergil ist für ihn der Dichter, der dem Kaiser seine Vision eines befriedeten Reichs schenkt und ihn für die Erhaltung dieses Friedens verantwortlich macht. Damit verbindet sich eine Vision von der gesellschaftlichen Relevanz von Bildung, die es sich durchaus auch heute noch zu teilen lohnt.

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