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altgermanistischer Forschungsprojekte


Name: Tanja Weiß
Institut: Hannover
eMail: tany@ruebenberger-verlag.de
Thema: Performte Lyrics: Moderne Zugänge zu einer alten Liedgattung. Situation der Aufführung und ihre Bedingung(en) für den Liedtext in Rockmusik und Minnesang
Status: Diss
Abschluß: k.A.
Info:

Das Paradigma "Aufführung" ist für den Minnesang in der jüngeren Forschung anhand vieler genereller Analysekategorien erörtert worden, doch wurden die Forschungsergebnisse bislang nicht anhand "moderner Performanz" überprüft. Dies soll hier geschehen; Die Arbeit will zwei verwandte Kunstgattungen miteinander vergleichen, die sich diachron in einer ähnlichen Kunstrichtung bewegen - Minnesang und Rock. Die gestellte Grundfrage ist: Wie interpretiere ich einen für eine Performance konzipierten Liedtext, der einer anderen Poetik und einer anderen ästhetischen Erfahrung unterliegt als ein genuin schriftlicher Text? So wie die Analyse von epischen und lyrischen Texten an ebendiesen (nämlich episch und lyrischen) Texten und wie die Analyse von Dramen an ebendiesen (nämlich an Dramen) entwickelt wurde, so sollte die Analyse von Liedtexten gleichermaßen an ebendiesen, nämlich an Liedtexten, entwickelt und erprobt werden. Dass diese Handhabung hierbei ein neues Paradigma für "Lyrik" öffnet, liegt in der Natur der Sache.

Basis der Arbeit und ihrer Legitimation ist eine detaillierte produktions- und rezeptionsästhetische Darstellung des Minnesang (und der Rockmusik als einem ausgewählten modernen Gegenstück) in umfangreicher Erweiterung und Modifikation des für mittelalterliche Literatur vorgestellten Kommunikationmodells von Paul Zumthor. In Anlehnung auch an Dennis Howard Green und Jan-Dirk Müller soll differenziert und veranschaulicht werden, was Minnesang im Spannungsfeld zwischen "Schrifttexten" und "Vortragstexten" eigentlich sei. Inwieweit - oder ob überhaupt - ein "Performanz-Modell" hierbei für die Interpretation von Minneliedern brauchbar ist, soll eine experimentelle Studie moderner Liedtexte und ihrer Aufführung zeigen helfen. Ergänzt um einen produktionsästhetischen Fragenkatalog soll diese Studie Rückschlüsse auf eine generelle Methodik zur Analyse performter Liedtexte (und ihrer Poetologisierung) liefern. Denn moderne Songs wie die der Rockmusik ermöglichen uns ja gerade das, was für den Minnesang in der Distanz der Zeit verloren geht und der Forschung deshalb so erhebliche Schwierigkeiten im Umgang mit dieser alten Liedgattung bereitet: eine unmittelbare Vergleichbarkeit der Interpretation eines schriftlich bewahrten Liedtextes mit der Interpretation des gleichen Textes als "Vortragstext" in seiner Aufführung live vor Publikum.

Hier kann sich zeigen, wie Deixis oder "performative Selbstwidersprüche" eines Liedtextes denn in realis zu bewerten sind, und wie Grammatik und Textkohärenz von Liedtexten aussehen. Was bedeutet es beispielsweise, wenn Jon Bon Jovi live vor Publikum auf der Bühne stehend "I can't sing a love song" singt - und genau dies selbst Negierte aber in diesem Moment tut? Oder was bedeutet es, wenn Bruce Springsteen vor 5.000 anwesenden Zuhörern intimste Liebesgeständnisse an eine einzelne Dame richtet, die nach der Selbstaussage des textinternen "Ich" explizit nicht für andere Ohren bestimmt seien? Die Erörterung beinhaltet eine Neudefinition des "Rollen "begriffs und der Vorstellung eines "lyrischen Ich", die auch für die Erzähltheorie im Allgemeinen ein neues Paradigma schafft. Im Themenkomplex um Grammatik und Textkohärenz geht es auch um Überlieferung und Lesartenfrage; eine statistische Untersuchung zur linguistischen Pragmatik der Oeuvres dreier Sänger/Künstler (Bryan Adams, Bon Jovi, HIM) runden hier das Bild ab.

Behandelte Sänger/Künstler (Auswahl; Änderungen vorbehalten): Reinmar, Walther, Hartmann, Neidhart, Morungen, Kürenberger, Bon Jovi, Bryan Adams, HIM, Robbie Williams, Manowar, Die Toten Hosen.

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