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Ein erst vor wenigen Jahren im Stiftsarchiv St. Gallen (Bestand Pfäfers)
aufgefundenes Fragment eines Passionsspiels aus den letzten Jahren des 13. Jahrhunderts
ist Gegenstand einer eingehenden Untersuchung mit Edition und Kommentar. Das auf
einem Doppelblatt erhaltene Bruchstück war als Spiegelblatt in den Codex
Fabariensis XI eingeklebt und wurde bei der Ablösung leider erheblich beschädigt.
Es enthält gut 400 Verse eines Passionsspiels mit einer ausführlichen
Salbenkrämerszene.
Bemerkenswert ist das hohe Alter des Stücks: es ist nach dem Benediktbeurer
Passionsspiel das zweitälteste Passionsspiel in deutscher Sprache und hat
(noch) erhebliche lateinische Anteile, wie etwa gesungene Hymnen, Antiphonen und
Bibelzitate. Sprachlich weist es in die heutige Ostschweiz, wo es abgeschrieben
wurde und vielleicht auch entstanden ist. Darüber hinaus weist es in seiner
Textgeschichte vermutlich enge Parallelen zu früheren und zeitgleichen lateinischen
Osterspielen aus der heutigen Schweiz auf.
In der Dissertation wird das Fragment des Spiels ediert und ins Neuhochdeutsche
übertragen. Ein umfangreicher Stellenkommentar, ein Register und ein Wörterverzeichnis
sollen den Text erschließen. Die Untersuchungen beinhalten Überlegungen
zur Herkunft, Datierung und Sprache des Stücks, zu seiner literarhistorischen
Einordnung in die Geschichte des deutschsprachigen Schauspiels, zu seiner Textgeschichte
und eventuellen Vorbildern sowie zur Verortung in der Geschichte und dem kulturellen
Umfeld des Benediktinerklosters Pfäfers, von wo die Handschrift ja stammt.
Damit soll das Pfäferser Passionsspielfragment der wissenschaftlichen Öffentlichkeit
einerseits vorgestellt werden, andererseits soll für eine weitere Beschäftigung
mit diesem interessanten Stück eine brauchbare Basis geschaffen werden.
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