Die folgende Auswahl stellt einige Angebote vor, die hinsichtlich
Themenstellung, Qualität und Zuverlässigkeit sowie der technischer Umsetzung
uns als besonders gelungen erscheinen. Vorschläge per eMail
sind willkommen. Viel Spaß beim Stöbern ...
Unter der Leitung von Prof. Dr. Nine Miedema wird seit 2007 ein Internetportal
aufgebaut, das es Deutschlehrerinnen und -lehrern erleichtern will, mittelalterliche
Literatur in den schulischen Unterricht einzubeziehen, indem es ihnen fachdidaktisches
Material an die Hand gibt. Zum Nibelungenlied findet man bereits literaturwissenschaftliche
Basics und einige Unterrichtsmaterialien; zu Fabeln und Schwänken und der
mittelhochdeutschen Lyrik ist ähnliches in Vorbereitung. Das Portal richtet
sich an Lehrer, Referendare, Mediävisten und Lehramtsstudierende.
Eine illustrative, einführende Internetpräsentation, die
eine Reihe der kulturellen, thematischen und poetologischen Hintergründe
des Nibelungenlieds sichtbar macht. Das gebotene Material reicht von kurzen darstellenden
Artikeln und Begriffserklärungen bis zu Audio-Interviews mit Fachleuten (leider
mit ISDN nicht ruckelfrei abspielbar) und einem Nibelungen-Quiz. Die technisch
wie optisch vorbildliche Web-Site entstand im Rahmen eines Projektseminars unter
der Leitung von Prof. Dr. Burkhardt Krause (Universität Karlsruhe TH).
Das Quiz allerdings hält die Redakteurin für, mit Verlaub gesagt, didaktisch
fragwürdig.
Aus der Projektbeschreibung: "Das im Frühjahr 1999 gestartete
Projekt CAMENA, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen ihres Programms
"Retrospektive Digitalisierung von Bibliotheksbeständen" gefördert
wird, erfaßt Texte neulateinischer Dichtung aus dem deutschen Sprachraum
im Gesamtumfang von rund 50.000 Druckseiten auf der Grundlage alter Editionen."
Wilhelm Kühlmann, Heidelberg, und die UB Mannheim leisten mit diesem Projekt
der neulateinischen Philologie einen nicht hoch genug einzuschätzenden Dienst:
Erstmalig hat man die Möglichkeit, die oftmals nicht edierten neulateinischen
Ausgaben im Faksimile und als eText auf den Bildschirm zu holen. Das zeitaufwendige
Bestellen von Microfilmen alter Drucke - um zumindest eine Textgrundlage für
die Forschung zur neulat. Dichtung zu haben - gehört damit bald der Vergangenheit
an. Die Auswahl der Autoren ist umfassend, die Qualität der eingescannten
Druckseiten auch im Ausdruck sehr gut, und die Umsetzung in eText und die damit
verbundenen Recherchemöglichkeiten eröffnen die ganz neue Möglichkeit:
Neben der Imitatio antiker Klassiker lassen sich so auch intertextuelle Beziehungen
zwischen neulateinischen Dichtern aufzuspüren. Daß es das Alles auch
noch auf CD-ROM gibt, ist die Krönung des Ganzen. Kurzum: Phänomenal!
Wann gibt es Vergleichbares endlich auch für die Altgermanistik??
Das Projekt des Augsburger Lehrstuhls für Stochastik und ihre
Anwendung bietet drei mathematikgeschichtlich einschlägige Schriften des
Ramon Llull (1232-1316) in Faksimile, Transkription und Übersetzung (wahlweise
deutsch, englisch oder französisch), eine davon wird hier zum ersten Mal
vorgestellt. Das Hervorstechende ist die technische Umsetzung, welche die drei
o.g. Präsentationsformen der Werke miteinander verknüpft. Diese wegweisende
Aufbereitung und Erschließung von Handschriften bedarf freilich neuester
Browsertechnik (Internet Explorer 5.X, Netscape 6.X) und eines leistungsfähigen
Endgeräts.
Ein technisch wie inhaltlich gelungenes Internetprojekt zu mittelalterlichen
Zaubersprüchen, das 2001 online gegangen ist. Mit wissenschaftlichem Anspruch
werden hier die Texte vieler englischer, deutscher und lateinischer Zaubersprüche
geboten, mit Übersetzung, Erläuterungen und Abbildungen der Handschriften.
Ergänzt wird das Angebot durch grundlegende Literaturangaben und Links zur
nicht nur altenglischen Literatur im Internet. Zum selben Thema hat Guillaume
Schiltz auch die Materialien eines altanglistischen Seminars an der Univ. Basel
aufbereitet - ein überzeugendes Beispiel dafür, wie Internet-begleitete
Lehre heute aussehen kann.
Aus dem umfangreichen Internetauftritt eines Altphilologen sind besonders
die Seiten zu mittelalterlichen Weltkarten hervorzuheben. Im Mittelpunkt steht
die Ebstorfer Weltkarte, die in ihrer Entstehung und ihrem Aufbau erläutert
und als Abbildung präsentiert wird. Gelungen erscheint nicht nur der Hinweis
auf weitere Weltkarten und die Ausführungen zu deren Überlieferung und
Struktur, sondern auch die technische Umsetzung: Jede Grafik kann mit der Maus
angeklickt und "gezoomt" werden, so daß auch die Details im Internet
betrachtet werden können. Erfreulicherweise ist der Server schnell genug,
um die umfangreichen Grafiken in angemessener Zeit zu übertragen.
Dokumentation des Ausverkaufs der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek
Donaueschingen von Dr. Klaus Graf; Projektskizze "Donaueschingen digital"
(eine virtuelle Rekonstruktion des Gesamtbestandes der Bibliothek). Im Volltext
zugänglich gemacht werden Zeitungsartikel, die über die Hintergründe der Bibliotheksauflösung
informieren.
Internetseite eines gleichnamigen Hauptseminars an der Univ. Düsseldorf
im Jahr 2000; im Mittelpunkt steht die Wartburg, die "vom Mittelalter bis
in die Neuzeit hinein zu einem Symbol nationalen Selbstverständnisses der Deutschen
geworden ist". Die Einzelreferate der Seminarteilnehmer sind in eine redaktionell
und gestalterisch überzeugende Online-Präsentation eingegangen.
Tübinger Internetseite zu den Wandmalereien auf Burg Wildenstein bei
Leibertingen im Donautal. Thema der im 16. Jh. entstanden Malereien ist der
'Sigenot', ein kürzerer Text der mittelhochdeutschen Heldenepik. Die Website bietet
einen Überblick zur Geschichte, eine Aufrißskizze zum Palas sowie Detailaufnahmen
mit Inhaltsangabe.
Preisgekröntes Projekt von U. Harsch (FH Augsburg), der eine große
Zahl an Texten der gesamten europäischen Literaturgeschichte im Internet
zur Verfügung stellt, wenn auch nicht immer vollständig und nicht immer
nach den neuesten Editionen. Zahlreiche deutsche und lateinische Texte des Mittelalters;
die Seite selbst ist ästhetisch und technisch höchst ansprechend und
schlüssig gestaltet.
Umfangreiche, illustrierte Präsentation des berühmten geschnitzten
Walbeinkästchens des 7. Jhs. (auch bekannt als Runenkästchen von Auzon),
die sich auf eine Buchveröffentlichung des Autors stützt (Alfred Becker,
Franks Casket. Zum Runenkästchen von Auzon (Regensburger Arbeiten zur Anglistik
und Amerikanistik, Bd. 5), Regensburg 1973), und zugleich eine äußerst
gelungene Umsetzung für die andersartigen Ansprüche des Mediums Internet
darstellt.