Otfrid von Weißenburg: Evangelienbuch. Übersetzung - Anmerkungen - Auswahlbibliographie

Prof. Dr. Heiko Hartmann

(HTWK Leipzig)

Status: Sonstiges Projekt, geplanter Abschluss: 2017

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Otfrids "Evangelienbuch" (ca. 870) gehört zu den bedeutendsten literarischen Zeugnissen des frühen Mittelalters. Der hoch gebildete Weißenburger Mönch gestaltet darin nicht nur Geburt, Wirken, Tod und Auferstehung Christi poetisch nach, sondern deutet die biblischen Ereignisse nach dem Modell des mehrfachen Schriftsinns mit Bezug auf die exegetische Literatur seiner Zeit aus. Besonders diese kommentierenden Partien (Mystice, Spiritaliter, Moraliter) erlauben wertvolle Einblicke in Denk- und Weltbilder eines Klerikers des 9. Jahrhunderts.
Die einzige vollständige Übersetzung des althochdeutschen Werkes stammt von 1870 (J. Kelle), aus neuerer Zeit gibt es nur Auswahlübersetzungen (G. Vollmann-Profe, 1976 u. 1987).
Diese vollständige Neuübersetzung möchte daher einen Beitrag zur "kritischen Bewahrung" (FS W. Schröder) dieses bedeutenden Kulturdokuments leisten. Sie sucht den Text für Wissenschaftler und Leser zugänglich zu machen, die das Althochdeutsche nicht beherrschen, besonders auch für Theologen, Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler, die sich bislang kaum mit dem reichen Text befasst haben. Die Prosaübersetzung erstrebt Verständlichkeit und Präzision, gleichzeitig verleugnet sie die Eigentümlichkeiten des Otfrid’schen Stils nicht. Der Übersetzung, die eine Hinführung zum Original sein will und jenes nicht ersetzen kann, sind Anmerkungen zu besonders interessanten und schwierigen Stellen, eine Auswahlbibliographie sowie eine ausfühliche Einführung beigegeben. Die Bände II (2014) und III (voraussichtl. 2017) enthalten außerdem Aufsätze zu Spezialproblemen der Otfrid-Philologie (Studien I/II).