Wortgewandte Wappen. Inszenierungsformen des Heraldischen in der deutschen Literatur des Mittelalters.

Manuel Hoder

(TU Braunschweig)

Status: Dissertation, geplanter Abschluss: 2021

Trotz ihrer komplexen Ästhetik sind Wappen eine Quellengattung, deren Erforschung lange Zeit auf historisch-biographische Zugriffe eingeengt gewesen ist. Entsprechend sind die unzähligen literarischen Wappenmotive der mittelhochdeutschen Epik bislang, wenn überhaupt, stark unter Gesichtspunkten der Identifikation und Genealogie betrachtet worden. Durch die ihnen innewohnende Intermedialität, Performanz und Narrativität beherbergen heraldische Zeichen als ästhetische Artefakte aber ein Bedeutungspotential, das über die rein mediale Vermittlung von personaler Identität hinausgeht.
Das Dissertationsprojekt beabsichtigt, dieses Potential ‚wortgewandter Wappen‘ durch einen kultursemiotischen Ansatz sichtbar zu machen und komplementär zur bisher identifikatorisch-genealogisch ausgerichteten Forschung zu öffnen. In einem ersten Teil wird hierfür aus literarischen Zeugnissen eine systematische Narratologie des Heraldischen entwickelt, die sodann in einem zweiten Teil anhand exemplarischer Textanalysen (Wirnt von Grafenberg: ‚Wigalois‘, ‚Prosalancelot‘, Konrad von Würzburg: ‚Das Turnier von Nantes‘, Pleier: ‚Garel von dem blühenden Tal‘, Ulrich von Etzenbach: ‚Wilhelm von Wenden‘) mit den je aktuellen Forschungsdiskussionen in Dialog gebracht wird.