Die Pest in erzählenden Kleinformen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit

Luca Kirchberger

(Technische Universität Chemnitz)

Status: Dissertation, abgeschlossen

In der literaturwissenschaftlichen Forschung werden zur Beantwortung der Frage nach sogenannten „Pesttexten“ zumeist dieselben Werke herangezogen: Giovanni Boccaccios ›Decamerone‹, Daniel Defoes ›Die Pest zu London‹, Albert Camus‘ ›Die Pest‹ sowie – sofern antike Epidemien berücksichtigt werden – Homers ›Ilias‹. Zahlreiche andere Texte, insbesondere solche, die nicht den literarischen Großgattungen zuzurechnen sind, sind hingegen bislang kaum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen gewesen.

Vor diesem Hintergrund widmet sich die Dissertation der Frage, wie im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit von der Pest erzählt wird und in welche Diskurse diese Erzählungen eingebunden sind. Neben der zeitlichen Eingrenzung setzt die Untersuchung einen gattungsspezifischen Schwerpunkt auf kürzere deutsch- und lateinischsprachige Erzähltexte, insbesondere Schwänke, Fazetien und Mirakel (u. a. ›De quodam Lolhardo fideiussionem morituro praestante‹ von Augustin Tünger, ›De brevi contra pestem ad collum suspendendo‹ von Poggio, ›Von ernst das .dliii. Die pestilentz hort vff zů basel.‹ von Johannes Pauli sowie ›Die pest steckt an, ein exempel‹ von Hans Wilhelm Kirchhof).

Die Analyse dieser Einzeltexte ermöglicht die Rekonstruktion eines narrativen Schemas, das das Pestmotiv in seiner Funktion als Mittel zur Verhandlung von „Parallelepidemien“ sichtbar macht.