In Anbetracht der Dinge. Eine narratologische Untersuchung von Dingen und ihrer komplexen Zeichenhaftigkeit in der Novellistik des Mittelalters

Felix Passek

(Univ. Freiburg)

Status: Dissertation, geplanter Abschluss: 10/2021

Das Dissertationsprojekt untersucht Gegenstände (‚Dinge‘) und ihre narrative Funktionalisierung in der Novellistik des Mittelalters. Dinge, von und mit denen erzählt wird, sind weit mehr als bloße Requisiten: Sie sind komplexe narrative Zeichen, die Textaussagen verdichten und vielfältige Sinnangebote auf verschiedenen Erzählebenen entfalten. Ihre Analyse ist daher eine fruchtbare Ergänzung zur handlungs- und figurenzentrierten Lektüre, die Präzisierungschancen bietet und neue Lesarten eröffnet. Das Projekt betrachtet Dinge aus erzähltheoretischer Perspektive mit dem Ziel, die Spezifika dieses narrativen Elements zu ergründen und eine ‚historische Narratologie der Dinge‘ am Beispiel der Novellistik des Mittelalters zu erarbeiten. Untersucht werden Dinge zunächst in mittelhochdeutschen Versnovellen, in denen sie als zentrale Motive erscheinen und/oder in ihrem Zusammenspiel dichte semantische Netze bilden. Diese werden dann in den Kontext gesamteuropäischer Erzähltraditionen gestellt, in denen sie wieder- und umerzählt wurden: Der Blick auf Dinge und ihre Wiederholung und Variation in stofflich verwandten Texten des deutschen, italienischen, französischen und englischen Mittelalters soll zeigen, wie diese über Texte, Gattungen, Kulturen und Epochen hinweg akzentuiert und (um)funktionalisiert wurden. Ergänzt werden die vergleichenden Analysen durch Ausblicke auf Dinge in visuellen Medien, von ihrer Darstellung in mittelalterlichen Bilderhandschriften bis zu ihrer Inszenierung im modernen Film. In Anbetracht der Dinge eröffnet das Projekt analytische Tiefenschärfe und vielversprechende Forschungsperspektiven. Es wird gefördert durch die Claussen-Simon-Stiftung.