Randfiguren in der Großepik der mittelhochdeutschen Klassik

Henrike Schwab

(Univ. Tübingen)

Status: Habilitation, geplanter Abschluss: 2020/21

Das Projekt nimmt die kleinen Figuren in den großepischen Texten der sog. mittelhochdeutschen Klassik in den Blick, die über einzelne Figurentypen oder -konstellationen hinaus kaum je systematisch untersucht worden sind. Das gilt insbesondere für Randfiguren, die im Sinne einer groben Figurentypologie und anhand von Handlungsanteilen und -funktionen von den größeren Nebenfiguren unterschieden werden. Neben einer Abgrenzung "nach oben" steht eine Abgrenzung "nach unten": Diskutiert werden die narrativen Strategien, die zur weiteren Sättigung der Erzählwelt beitragen, indem diese mit zunehmend unscharf werdenden Gestalten angefüllt wird (Hintergrundfiguren, Kollektivfiguren, Namenslisten etc.). Auf die registerartige Zusammenstellung von Randfiguren folgt die eigentliche Analyse anhand ausgewählter Beispiele, innerhalb derer jenseits der schieren Handlungsfunktion die Multifunktionalität (thematische, ästhetische, rezeptionslenkende Funktion) der kleinen Figuren aufgezeigt werden soll. Zielpunkt der Arbeit ist eine Beschreibung der Erzeugung von Welthaltigkeit in komplexen Erzählformen über ihr abgestuftes Figurenpersonal. Mithin werden Möglichkeiten mittelalterlichen Erzählens ausgelotet, wobei Gattungsgrenzen und Erzähltraditionen überschritten und auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Gestaltung von Figurenwelten befragt werden sollen.