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Mittelalterliche volkssprachige Minnelyrik liegt uns heute als geschriebener
"Text" vor; im "Mittelalter" selbst jedoch wurde diese Lyrik im Rahmen einer mündlich
ablaufenden Kommunikationshandlung vorgetragen bzw. (vom Sänger/Sprecher und dem
Publikum) "vollzogen". Aus dieser Inkongruenz zwischen primärem (Schrifttext)
und "abgeleitetem" Forschungsgegenstand (Minnesang als Gesamtphänomen) resultiert
zunächst ein methodisches Problem, in dessen Bewältigung aber stets grundlegende
Annahmen über die tatsächliche Existenzweise mittelalterlicher Lyrik einfließen
- Aussagen über Performanz, Zeremonialität usw. Gleichzeitig stehen mit dem methodischen
Problem deshalb Fragen nach der "Fiktionalität" und "Virtualität", nach dem Status
von Sprecher (Rollencharakter oder nicht? "Tatsächlicher Autor", "impliziter Autor",
"Autorkonkretisation"; "Image"?) und Publikum, aber auch nach der sozialen Funktion
von Minnesang zur Debatte (Repräsentation; para-rituelle Funktion; Werbungsfunktion;
sozialintegratives Ethos?).
Die Beiträge des Sammelbandes kreisen um diesen Problemkomplex und stammen
u.a. von Harald Haferland, Albrecht Hausmann, Gert Hübner, Beate Kellner, Jan-Dirk
Müller, Timo Reuvekamp-Felber und Markus Stock.
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