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altgermanistischer Forschungsprojekte


Name: Dr. Michael Baldzuhn, M.A.
Institut: Univ. Hamburg
eMail: michael.baldzuhn@uni-hamburg.de
Thema: Unterrichtslektüre im Verschriftlichungsprozess
Status: Habil
Abschluß: abgeschlossen
URL http://www.baldzuhn.de/projekte.html
Info:

[1.] Die Arbeit untersucht das Vordringen des Schriftgebrauchs in den mittelalterlichen Trivialunterricht. Sie geht von der These aus, dass die Institution 'Schule' in der Forschung zu einseitig als Heimstätte lateinischer Schriftlichkeit wahrgenommen wird, die dem mittelalterlichen Verschriftlichungsprozess lediglich die Voraussetzungen bereitgestellt habe. Zu zeigen ist demgegenüber zweierlei: 1. 'Schule' hat am Prozess der Verschriftlichung auch insofern Anteil, als sie selbst zunehmend auf Schriftlichkeit zurückgreift und das neue Medium intensiver für ihre Zwecke zu nutzen lernt. 2. Die in die Historisierung des Schriftgebrauchs im Mediengebrauchsraum 'Schule' eingeschlossene Frage nach den Verschriftlichung antreibenden Motoren lässt sich nicht einfach unter Verweis auf zweckhaft-rationalen Gebrauch des Mediums beantworten. Auch 'Schule' muss die Leistungsfähigkeit ihrer Medien erst entdecken. Dabei leisten der pädagogische Diskurs des 16. Jahrhunderts und der Buchdruck im 15. Jahrhundert wichtige Hilfestellungen. Demgegenüber wird die Verschriftlichung des mittelalterlichen Schulunterrichts vom zeitgenössischen pädagogischen Diskurs eher blockiert.

[2.a] Das Materialkorpus der Arbeit ist zweigeteilt in ein lateinisches und ein lateinisch-deutsches. Es umfasst zum einen ca. 160 lateinische Text- und Kommentarhandschriften (und einigen Druckausgaben) eines Schultextes, der vom 8. bis 16. Jahrhundert für Unterrichtszwecke herangezogen wurde ('Fabulae Aviani'). Auf der Grundlage der erstmals systematisch erhobenen und in gebrauchsfunktional ausgerichteten Kurzbeschreibungen nach einheitlichen Kriterien zugänglich gemachten Überlieferungszeugen wird nachgezeichnet, auf welche Weise Schriftlichkeit das Studium von Texten zwischen dem 8. und dem 16. Jahrhundert in verschiedenen Etappen transformiert.

[2.b] Zum zweiten umfasst das Korpus die - wiederum erstmals systematisch erhobenen und einheitlich beschriebenen - Handschriften der lateinisch-deutschen 'Disticha Catonis' vom 13. Jahrhundert an (ca. 130 Handschriften) bis zu den Druckausgaben des 16. Jahrhunderts (ca. 140 Ausgaben). Mit diesem zweisprachigen Korpus wird die Leitfrage nach dem Vordringen der Schriftlichkeit enger auf das Vordringen der Volkssprache in den Trivialunterricht als eine Facette dieses Vorgangs eingestellt und nachgezeichnet, wo, wie und warum im Lateinunterricht zunächst allenfalls in gesprochener Form lizensiertes Deutsch allmählich in geschriebenes Deutsch transformiert wird.

[3.] In methodischer Hinsicht nimmt die Untersuchung einen Anstoß der systemtheoretischen Auseinandersetzung mit der rezenten pädagogischen Theoriebildung auf, indem sie die Unterrichtssituation als Kerngeschehen von 'Schule' in den Mittelpunkt stellt. Damit wird ein zentrales Problem der Quellenanalyse, die Relationierung von Text/Handschrift und Kontext, zugleich verschoben wie auf neue Weise gefasst: Im methodischen Ausgang von der 'Unterrichtssituation des Textes' braucht die Institution 'Schule' nicht mehr als immer schon vorhandener Rahmen von Unterricht unterstellt zu werden, sondern wird im Ausschnitt unterrichtlichen Texthandelns einer Analyse ihrer Institutionalisierung überhaupt erst zugänglich. Ein zentraler Ausgangspunkt dieser Analyse ist zunächst das Arrangement von Grundtext und Erläuterung auf der handschriftlichen Seite, das mithilfe des Konzepts der 'impliziten Gebrauchsstruktur' ausgewertet wird.

[4.] Für weitergehende Information s. "http://www.baldzuhn.de/projekte.html".

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