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Name: Andreas Laubinger
Institut: Universität Paderborn
eMail: Laubinger@hrz.upb.de
Thema: Die '43 Gespräche' des Erhart Groß. Elektronische Edition und Untersuchungen
Status: Diss
Abschluß: 10/2007
URL http://groups.uni-paderborn.de/ieman/mk/laubinger/
Info:

Das Dissertationsvorhaben widmet sich einem bislang wenig beachteten, weil unpublizierten Text aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. In seinen aufwändig gestalteten ‘43 Gesprächen’ handelt der Nürnberger Kartäuser Erhart Groß dogmatische Fragen in katechetisch aufbereiteten Unterhaltungen der Klosterbrüder ab. Inhaltlich ist der Text damit ein zentrales Beispiel für die trotz ihrer Bedeutung noch immer unzureichend erschlossene spätmittelalterliche Laiendidaxe. Die lehrhafte Vermittlung der geistlichen Gegenstände durch ihre literarische Behandlung in Gesprächsrunden ist zugleich neuartig, sie verleiht dem Text eine im Umfeld didaktischer Gattungen exponierte Stellung durch seine Struktur. Mit den ‚43 Gesprächen’ entsteht eine neue, im Anschluss an die Terminologie der Klostervorschriften vorläufig als ‚collationes’ zu bezeichnende Textart didaktischer Prägung. Das Projekt verfolgt das Vorhaben, an ihr wesentliche Aufschlüsse über die Wirkungsabsichten, Wirkungsweise und –bedingungen spätmittelalterlicher Didaxe aus einer Untersuchung der Strukturen der ‚43 Gespräche’ zu gewinnen, welche in einer elektronischen Edition des Textes aufgezeigt und zugänglich gemacht werden sollen.

Die elektronische Auszeichnung des Textes bildet Grundlage und Ausgangspunkt der Untersuchungen, indem sie den gezielten Zugriff auf dessen Strukturen ermöglicht. Zum Beispiel im Vergleich mit dem wohl als Vorstudie anzusprechenden lateinischen ‚Tractatus brevis de sacramento eucharistiae’ kann die Analyse der Textstrukturen am Beispiel der Eucharistie aufzeigen, wie und ob durch die Transformation von katechetischen Inhalten in die Gesprächsform didaktische Möglichkeiten realisiert werden. Erscheint das Material schlicht auf verschiedene Sprecher verteilt oder lassen sich appellative und rhetorische Strukturen der Gesprächsführung feststellen? Der dabei zu analysierende Gebrauch der unterschiedlichen Elemente von Gesprächsführung und ihrer Verteilung auf die Rednerrollen steht einerseits in der Tradition des Lehrdialogs, unterscheidet sich von dessen magistraler Gesprächsstruktur jedoch vermutlich durch einen epagogischen Charakter der Unterhaltung. Möglicherweise rührt dieser aus der Tradition der monastischen ‚consuetudines’ andererseits. Explizit genannt als des „karthewser ordens gewohnheit“, situieren die ‚consuetudines’ die ‚43 Gespräche’, formieren zugleich aber auch als Entstehungskontext des Werkes. Zweifellos positioniert sich die Nürnberger Kartause damit in doppelter Hinsicht gegenüber dem weltlichen Rezipientenkreis. Wenn so aus einem explizit auf die Schriftkultur bezogenen Orden heraus gerade das Gespräch zum zentralen Medium für die Vermittlung geistlicher Inhalte wird, verdient die Reflexion auf die Medialität des Textes besondere Beachtung. Die Möglichkeiten der Handschrift scheinen nicht nur in Initialen oder rubrizierten Namen der Sprecher sehr bewusst eingesetzt. Dass etwa mit Lauftiteln ein dem schriftlichen Medium spezifischer Zugriff über die Paginierung gewählt wird, den die fingierte Mündlichkeit des Gesprächs verweigert, deutet vielmehr darauf hin, dass gerade der in den ‚43 Gesprächen’ inszenierte Medienwandel einer verschriftlichten Mündlichkeit gezielt zu didaktischen Zweck! en gebraucht wird. Wie steuern Charakteristika von Mündlichkeit und Schriftlichkeit den Rezipienten beim intendierten Verstehensprozess? Aufzuzeigen, in welcher Weise sich aus einem spezifischen Entstehungskontext heraus damit eine neuartige didaktische Textform konstituiert, ist Absicht der Untersuchungen. Die Frage nach den kontextualisierten medienspezifischen Möglichkeiten einer didaktischen Vermittlung soll schließlich auch für die elektronische Edition der ‚43 Gespräche’ fruchtbar werden.

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