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Name: Dr. Lydia Miklautsch
Institut: Univ. Wien
eMail: lydia.miklautsch@univie.ac.at
Thema: Der Ortnit und die Wolfdietriche. Ein Beitrag zur Poetik der späten Heldendichtung.
Status: Habil
Abschluß: abgeschlossen
Info:

Der Ortnit und die Wolfdietrichtexte können als typische Beispiele "nachklassischen" Erzählens verstanden werden. So ist eine eindeutige gattungsmäßige Zuordnung nicht mehr möglich, obwohl sich die Dichtungen durchaus in die Tradition der Heldendichtung stellen. Es gibt zahlreiche intertextuelle Bezüge sowohl zum Roman, zur chanson des geste, aber auch zur Legende. Dennoch sind die Dichtungen nicht einfach eine beliebige Anhäufung von Stoffen und Motiven. Sie zeichnen sich aus durch ihre "offene Form" (Heinzle), die eine variantenreiche und teilweise durchaus originelle Verfügbarkeit des Fiktionalen ermöglicht. Dies scheint einer der Gründe für die große Beliebtheit der Dichtungen im 14. und 15. Jahrhundert gewesen zu sein. Es gilt, die Vielstimmigkeit der literarischen Einflüsse zu bestimmen und die Logik ihrer Kombination herauszufinden. Ich verstehe den Ortnit und die Wolfdietriche als Neuversuche des Erzählens, ohne das ich den Texten eine gewisse Schemagebundenheit und ein bestimmtes gattungsreflektorisches Bewußtsein absprechen will. Es stellt sich die Frage, ob man die Texte nicht adäquater beschrieben und deren Platz in der Literaturgeschichte nicht besser beurteilt werden kann, wenn man sie nicht ausschließlich am strukturellen Paradigma des höfischen Romans oder des Heldenepos mißt. Die Texte sind Hybridformen, die unterschiedliche Lektüreerfahrungen ermöglichen. Letztlich muß man aber aktzeptieren, daß es in hybriden Texten weder einen einheitlichen Erzählfluß noch eine einheitliche Erzähllinie, noch eine einheitliche Figurenkonzeption gibt. Das heißt aber nicht, daß die Texte letzlich uninterpretierbar sind, sondern es gilt, die verschiedenen Lektüreangebote mittels eines strukturalistischen "close reading" zu beschreiben. Gibt es, trotz der unterschiedlichen Fassungen so etwas, wie ein spezifisches Erzählprogramm? Wie sind die intertextuellen Beziehungen zu werten, was bewirken die Kontaminationen mit anderen Gattungen und Erzählmodellen? Weitere Fragestellungen sind: - Zum Problem der "Trivialisierung" heldenepischen Erzählens - Verhältnis von (fiktionaler) Mündlichkeit und Schriftlichkeit - Intertextualität - Heldentypen, Personenkonstellation - Verhältnis von Text und Bild im gedruckten Heldenbuch - literarische Interessensbildung.

Publikation: abgeschlossen, Drucklegung noch im Jahr 2003
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