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altgermanistischer Forschungsprojekte


Name: Prof. Dr. Thomas Bein
Institut: Univ. Aachen
eMail: t.bein@germanistik.RWTH-Aachen.de
Thema: Überlieferungsgeschichte - Textgeschichte - Literaturgeschichte
Status: Projekt
Abschluß: abgeschlossen
Info:

Bei dem Projekt handelt es sich um ein von mir initiiertes und redaktionell begleitetes 'Rahmenthema' im Jahrbuch für Internationale Germanistik. Pro Halbjahr sollen 3-5 Beiträge zum o.g. Thema veröffentlicht werden. Eine erste Staffel ist im Druck und wird etwa April/Mai 2003 erscheinen. Beiträge für weitere Staffeln sind herzlich willkommen; bitte einsenden an: Prof. Dr. Thomas Bein, RWTH Aachen, Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft, Templergraben 55, D-52062 Aachen.

Im folgenden der Ausschreibungstext:

Im letzten Vierteljahrhundert hat sich vor allem im Bereich der Editionswissenschaft der germanistischen Mediävistik Erhebliches getan. Das ‚Leithandschriftenprinzip‘ hat sich fast allerorten durchgesetzt; frühere Versuche, über mehr oder minder ausgeprägt praktizierte Mischredaktion und Konjekturalkritik größere Distanzen zwischen einem angenommenen ‚Urtext‘ und den noch vorhandenen Handschriften zu überbrücken, finden kaum noch Fortsetzung; die Schwierigkeiten, Textfassungen als ‚autornah‘ bzw. ‚autorfern‘ zu klassifizieren, werden freimütiger eingestanden, häufiger finden sich in Editionen synoptisch präsentierte Doppel- oder Mehrfachfassungen; die Praxis des Athetierens (Texte gegen die Überlieferung Autoren abzusprechen) wird mehr und mehr aufgegeben, damit einher gehen aktuelle, neue Forschungen zum Autorbegriff (auf historischer und systematischer Ebene.

Die Basis der germanistisch-mediävistischen Philologie hat sich verändert und wird sich weiter verändern. Die editorisch aufbereiteten Quellen haben ein anderes Gesicht - Ergebnis nicht nur jüngerer theoretischer Diskussionen (‚new philology‘), sondern auch mit beeinflusst durch die rasante Veränderung im Bereich der wissenschaftlichen Medien (Buch vs. EDV).

Bislang noch wenig diskutiert und angedacht worden sind die Konsequenzen, die aus der veränderten Editionstheorie und vor allem -praxis für das Geschäft der Interpretation und Literaturgeschichtsschreibung erwachsen. Die Beiträge zum Rahmenthema [Nr.41] sollen dieses Desiderat aufgreifen. Geplant sind einige Folgen zu je mehreren Aufsätzen; von den Beiträgen sollen die meisten dem germanistischen Bereich (mit Schwerpunkt: Ältere/Mittlere dt. Lit.) angehören, um eine interdisziplinäre Perspektive zu eröffnen, ist aber auch geplant, Beiträge aus der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft sowie aus den Nachbardisziplinen (Mittellatinistik, Romanistik, Anglistik) mit einzubinden.

Folgende Fragestellungen und Probleme mögen in den Beiträgen aufgegriffen werden (die Liste ist als selbstverständlich nicht erschöpfende Anregung zu lesen):
- Wie stellt sich aktuell das Verhältnis zwischen der Literaturgeschichtsschreibung auf der einen und der Forschung zur Text- und Überlieferungsgeschichte auf der anderen Seite dar?
- Wie wollen wir künftig über Texte (‚Werke‘) sprechen, wenn sich uns diese nur in mehr oder weniger gleichberechtigten Überlieferungsfassungen zu erkennen geben? Können wir noch über die ‚Nibelungenklage‘ reden? Über das ‚Nibelungenlied‘? Über den ‚Parzival‘?
- Können wir noch über Walther und Reinmar und Hartmann u.v.a. als Dichter einer meist nur mit schwachen Indizien erschlossenen Lebens- und Schaffenszeit sprechen? Oder müssen wir uns bescheiden zu sagen, dass unsere Dichterbilder und auch unsere Vorstellung vom Dichteroeuvre einzig und allein von Rezeptionsdokumenten (z.B. Sammelhandschriften) abhängen?
- Letzteres weitergedacht: Wäre eine ‚Literaturgeschichte der Rezeption‘ denkbar (wünschenswert, notwendig, allein richtig)? - Welche Bedeutung soll dem ‚Leben‘ eines Textes in seiner ganzen, uns heute noch greifbaren Überlieferung im literarhistoriographischen Diskurs zukommen?

Die Beiträge können von Einzelfällen ausgehen, sollen aber doch stets einen paradigmatischen Charakter haben und in jedem Fall die oben angedeuteten Konsequenzen thematisieren. Im Mittelpunkt soll nicht stehen, ob oder dass ein Text variantenreich auf uns gekommen ist, sondern im Mittelpunkt soll stehen, wie wir als Literaturhistoriker mit der Varianz umgehen sollen, welche neuen wissenschaftlichen Diskurse das sich verändert darstellende Quellenmaterial einfordert.

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