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altgermanistischer Forschungsprojekte


Name: Dr. Simone Schultz-Balluff
Institut: Ruhr-Universität Bochum
eMail: simone.schultz-balluff@rub.de
Thema: Vernetzung und Differenz von Treuekonzeptionen im Mittelalter
Status: Habil
Abschluß: 2012
Info:

Treueverhältnisse strukturieren seit den Anfängen in germanischer Zeit Gesellschaft, indem sie die Verbindungen der Gesellschaft konstituierenden Individuen zueinander festlegen.
Die in diesem Zusammenhang erfolgende Verwendung des Begriffes der ‚Treue‘ (ahd. triuwa, mhd. triuwe) markiert dem entsprechende Verhältnisse.
Diesen Konzepten wohnt ein verbindlicher Charakter inne; diese Verbindlichkeit erst schafft Konstanz und führt damit zu Stabilität von Gesellschaft konstituierenden Elementen.
Als alter Rechtsbegriff mit Wurzeln in germanischer Zeit zeigt triuwe ein Bedeutungsspektrum, das in den volkssprachlichen Texten des Mittelalters teilweise noch zu fassen, teilweise nur noch zu erahnen ist. Veränderung, Erweiterung und Modifikation des semantischen Gehalts des germanischen Rechtswortes sind die Ursache. So liegt ein (scheinbar) kompliziertes Geflecht von Verwendungsweisen vor und Formen und Funktionen von triuwe erscheinen in vielfältiger Weise.
Mein Habilitationsprojekt hat die Untersuchung der Vernetzung und Differenz von Treue-Konzeptionen im Mittelalter zum Gegenstand. Der ahd. triuwa- bzw. der mhd. triuwe-Begriff sowie die sich über diesen Begriff verifizierenden Kollokationen und sein Gebrauch bilden den Ausgangspunkt. Die so entstehende Bestandsaufnahme über Jahrhunderte (seit ahd. Zeit bis zum Ende der mhd. Zeit) hinweg ist textsortenübergreifend ausgerichtet. Dabei sollen diachrone Entwicklungslinien, Veränderungen und Brüche verifiziert, analysiert und kommentiert werden. Die Untersuchung hat zudem das Ziel, die Anknüpfungsmöglichkeiten an die vorahd. – und für den volkssprachlichen Raum damit weitgehend vorschriftliche – Zeit zu skizzieren. Auf breiter empirischer Basis soll die Konzept(ions)genese mittels weitestgehend verlässlicher Parameter aus dem schriftsprachlichen Bereich nachgezeichnet werden. Das Ziel ist, einen kulturwissenschaftlichen Beitrag zu leisten, der sowohl literarhistorisch als auch kommunikationstheoretisch und (rechts)historisch motiviert ist.
Die Basis der engeren empirischen Untersuchung bildet das strukturierte Bochumer Mittelhochdeutschkorpus. Für bestimmte Fragestellungen werden darüber hinausgehend die ahd. Textdenkmäler sowie ausgewählte Textzeugen in mhd. Sprache herangezogen.
Auf zwei Wegen nähere ich mich dem triuwe-Begriff: Mittels der Analyse des Begriffs in seinem sprachlichen Umfeld wird ein Katalog von Merkmalen, die die Semantik von triuwe mitbestimmen, entstehen. Damit soll die Struktur der diesem Begriff zugrunde liegenden Konzepte sichtbar gemacht und konturiert werden. Die Analyse ausgewählter Textpassagen/Texte – gebunden an Texttypen – wird diese Konzepte im Kontext ihrer Darstellung betrachten und dabei mögliche Vernetzungen aber auch Differenzen fokussieren. Besonders aufschlussreich wird hier ein Herausfiltern der differenzierenden Marker sein.
Das empirische Vorgehen und die theoretische Ausrichtung der Untersuchung sind primär in den Bereichen Historische Semantik (synchron wie diachron), Kognition und Konzeptualisierung zu verorten. Themenschwerpunkte sind ferner Non-Verbalität (Gesten, Gebärden) sowie Ritualität/ Zeremonialität. Grundsätzlich spielt die textsortenspezifische Verwendung eine große Rolle, d.h im Speziellen wird beispielsweise die Auswirkung der Verwendung von triuwe in literarischen Kontexten (d.h. neben Texten auch in bildlicher Umsetzung) auf z.B. die Erzählstruktur fokussiert, ferner die Verwendungsweisen in Rechtstexten (Urkunden und Rechtsbüchern) und geistlicher bzw. geistlich ausgerichteter Literatur (insbes. Predigten, aber auch Marienleben).

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