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Mein Forschungsvorhaben untersucht einzelne Stationen des Kulturkontakts und Kulturtransfers
zwischen Juden und Christen im deutschen Sprachraum in der Zeit vom 12. bis ins ausgehende
16. Jahrhundert. Hauptaugenmerk wird dabei auf die Vermittlungsinstanz gelegt, die in
diesen Prozessen dem Deutschen und seinen Varietäten zugekommen ist. Die Bandbreite
der untersuchten Texte und Kontexte reicht von frühmittelhochdeutschen Erzählungen über
Traktatpolemik und antijüdische geistliche und weltlic he Spiele bis zur frühen Literatur
des älteren Jiddisch. Ein Schwerpunkt liegt auf der verschlungenen und facettenreichen
christlichen Talmudrezeption, die vor allem durch den Pariser Talmudprozeß 1240-1248
in weiten Teilen erst ermöglicht und nachhaltig geprägt wurde, für die sich jedoch auch
schon aus dem 12. Jahrhundert Hinweise finden lassen. Ein weiterer Hauptaspekt meiner
Untersuchungen ist die Frage nach den je nach Kontext unterschiedlichen kulturhistorischen
Bedingungen, die den Rahmen für einzel ne kulturelle Kontakte zwischen jüdischer Minorität
und christlicher Majorität gebildet haben. Schließlich steht auch die neuzeitliche Geschichte
der Erforschung des mittelalterlichen Austauschs zwischen Christen und Juden im Mittelpunkt
des Frageinteresses: gab es im 19. und frühen 20. Jahrhundert noch zahlreiche Versuche,
die Relikte dieses Austauschs als Beweis für eine Frühzeit der "deutsch-jüdischen Symbiose"
zu werten, so haben sich die Interpretationsparameter durch die Erfahrungen des 20.
Jahrhun derts verschoben, so daß der Blick auf die Aspekte des mittelalterlichen jüdisch-christlichen
Kulturtransfers mittlerweile durch den Blick durch eine Geschichte der permanenten Verfolgung
fast verstellt zu sein scheint.
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