| Abschluß: |
Hörner, Petra:
Zweisträngige Tradition der Evangelienharmonie : Harmonisierung durch den
"Tatian" und Entharmonisierung durch Georg Kreckwitz u.a. / Petra Hörner.
- Hildesheim [u.a.] : Olms-Weidmann, 2000. - 381 S. : 21 cm. - (Germanistische
Texte und Studien ; 67) Zugl.: Leipzig, Univ., Habil.-Schr., 2000. |
| Info: |
Die Behauptung, die Evangelien enthielten Widersprüche, wurde in der Regel durch exegetische
Ausführungen abgewehrt. Als textliche Widerlegungsarbeit demonstriert auch Tatians `Diatesseron´
die Eintracht der Evangelien. Harmonien des 9. bis 16. Jahrhunderts sind in diesem Sinne
- im Unterschied zu Evangeliendichtungen - der "concors diversitas" und dem
Wortlaut der Evangelisten verpflichtet. Dennoch sind sie, wie die Untersuchung zahlreicher
edierter und nicht edierter, lateinischer und deutschsprachiger Evangelien- und Passionsharmonien
zeigt, sehr verschieden. Der "Tatian" erfährt einerseits eine ungebrochene
Rezeption, auch dadurch, daß er als Plenar in Gebrauch ist, und er wird andererseits
durch Kommentierung, Erweiterung und Bearbeitung verändert, bis schließlich völlig neue,
von ihm unabhängige Harmonien entstehen. Die Folge ist eine zweisträngige Traditionen
der Evangelienharmonie. Die Harmonie der Einheit steht im Zeichen des mittelalterlichen
Realismus, wird von Verschmelzungen und Auslassungen evangelischen Nachrichten getragen
und macht keinerlei Widersprüche sichtbar. Die Harmonie der Vielheit, bedingt durch
die Hinwendung zum gemäßigten Nominalismus, charakterisiert sich durch Vollständigkeit
und Annäherung an die getrennten Evangelien, hebt die ursprüngliche Harmonie auf und
führt zur Darbietung des evangelischen Stoffes in synoptischer Form.
Dr. habil. Petra Hörner
Institut für Germanistik
Univ. Leipzig
Schillerstr. 6
04109 Leipzig
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